FRANCONIAMETALLUM.DE

Der Opener „Planet Claire“ ist ein optimaler Anspieltipp, weil die Essenz der Band dort voll und ganz zum Tragen kommt. Alles wirkt irgendwie laut und noisy, die ergreifenden Melodien aber, die sich zunächst ein wenig hinter dem vordergründigen Gewaber verstecken, sind der eigentliche Kern des Songs. Das gilt auch für den Stampfer „Maggots“, dem rockigen „Rape Your Youth“ und dem Übersong, „Hedonistic Cheerleaders“, der mit seiner drückenden Gitarrenwand alles niederwalzt, dabei so experimentell und kunstvoll klingt, dass er meilenweit aus dem Einheitsbrei herausragt. Weitere Ausbrüche nach oben wären mit „Welcome To My World“, dem rasanten „Love Suxx“ und „White Man“ zu verzeichnen. Hier werden bunte, farbenprächtige Gemälde gezeichnet, deren Bedeutung sich wie in einem guten Buch von der Fantasie des Hörers selbst bestimmen lässt. Die Abwechslung wird ab dem ersten Track immer greifbarer, mal schleppend schwer, mal mit Vollgas auf der Überholspur. Der künstlerische Wert dieser Musik ist nur mit Hingabe und Konzentration voll zu erfassen. „Meet Ze Monsta“ und „Too Far“ zeigen ihre dunklere Seite, deutlich Wave-orientiert, sehr englisch rollen HELL-O-MATIC die Songs nach vorne, bereichert von elektronischen Elementen, die den Songs eine reizvolle packende Weite geben. Obwohl ihr selbstbetiteltes Debüt durchweg Songs mit durchschnittlicher Laufzeit enthält, wird dem Hörer das Gefühl vermittelt, 12 Epen vor sich zu haben. Als Hörer wird man zwangsläufig sensiblisiert, denn das Quintett aus Fulda hat die Gabe, Songs zu schreiben, in denen sich der Hörer verlieren kann und das Zeitgefühl komplett verlorengeht.
Ein wundervolles Werk mit Heavy Rotation-Potenzial.