LAUT, METALLISCH UND GROTESK – Fuldaer Zeitung

Nun bleibt die Alte Piesel doch erhalten.
Grimmig hatte die Scary-Metal-Band Hell-O-Matic verkündet, dort bei ihrem Konzertdebut
und der Präsentation ihrer ersten CD ‚den Saal in Kleinteile zu zerlegen‘. Doch stattdessen
inszenierte sie ein dämonisches Gesamtkunstwerk.
Zweieinhalb Minuten lang fahren die monoton-dumpfen Bassläufe und das dröhnende
Schlagwerk in die Beine, bis die kehlige Stimme des Sängers Thomas van de Scheck etwas die
Spannung löst: „She came from Planet Claire“, röhrt er. Die Band spielt den Song vom
fremden Stern der legendären The B-52’s allerdings mit 180 Beats pro Minute. Dieser Beginn
des Abends ist emblematisch, denn die USBand kreierte Ende der 70er-Jahre eine harte, gut
tanzbare Mischung aus Rock’n’Roll, Punk und New Wave. Ähnliches haben auch die Hell-OMaten
aus Fulda vor, die sich unverdrossen in der Zeit des Post Metals (Heino singt mit
Rammstein) als ‚Scary Metals‘, als unheimliche, furchterregende Rock’n’Roller aufführen.
Düstere Texte erzählen von Kannibalen, Attentätern, dämonischen Cheerleaderinnen oder
Maden. In manchen Songs finden sich Aufschreie voller Begierde, Lust und Schmerz in all
dem Alltagsmüll. Die immer zum tanzen animierende Musik ist kräftig metallisch und
diabolisch laut, aber sowohl im Saal als auch auf der CD differenziert abgemischt. Die
einzelnen Instrumente gehen nicht im Klangbrei unter, die Texte von Thomas van de Scheck
sind erstaunlich gut zu verstehen. Gitarrist Heikkinen und Keyboarder The Lorz grooven sich
häufig zum mitreißenden ‚Bass’n Drums‘ von Marx 6 und Mike Berserk ein. Obwohl sich die
Musiker abwechslungsreich durch die ganze Bandbreite des harten Rock schaffen (es gibt
keine einzige Ballade), entwickeln sie doch ihren ganz eigenen Sound mit reichlich
Gitarrensoli, Synthesizer-Einsprengseln und Elektronik.
Das Böse ist bei ihnen keine Plattitüde – sie persiflieren den Heavy Metal nicht, sondern
schreien sarkastisch den uns umgebenden Wahnsinn an. Dabei zerren sie ihre eigenen
dunklen Seiten ans Licht und exhumieren glaubwürdig die einst garstige, subversive
Unterströmung des Rock. Ihre Songs sind keine larmoyanten Klagen über den Zustand der
Welt, sondern groteske Übertreibungen durch theatralische Musikanten.
Nebelschwaden wabern, Lichter blinken, Lampen tauchen die Musiker in ständig wechselnde
Farben, zu einigen Stücken tanzen Cheerleaderinnen auf der Bühne. Die Aufführung wirkt
sehr professionell. Die kostümierten Musiker geben nicht nur ein Konzert, sondern schaffen
unter dem großen, oft rot blinkenden Schriftzug ‚Hell-O-Matic‘ ein Gesamtkunstwerk.
Natürlich spielt die Gruppe alle zwölf Stücke ihrer vielfältigen CD, die ebenfalls mit ‚Planet
Claire‘ beginnt. Wer es nacherleben möchte, kann sich beim lauten Hören dieser Scheibe
durch das Pandämonium des Irrsinns treiben lassen.